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Forderungen nach Lockdown-Lockerungen nehmen zu: Druck auf Bundesrat steigt

Mehrere Wirtschaftsverbände haben einen mehrstufigen Massnahmenplan vorgelegt und verlangen vom Bundesrat einen stufenweisen, aber raschen Ausstieg aus dem Corona-Lockdown ab dem 1. März. 

Der Bundesrat solle in Zukunft seine Entscheidungen «prinzipienbasiert und abhängig von der Durchimpfung der Schweizer Bevölkerung» fällen und nicht wie bisher teilweise willkürliche Verbote erlassen, schreiben der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse, der Schweizerische Arbeitgeberverband und zahlreiche andere Branchenverbände, Handelskammern und Unternehmen am Sonntag in einer Mitteilung. Für sie spielt die Impfung der Bevölkerung die Hauptrolle, denn je mehr Menschen gegen Covid-19 immun seien, desto mehr wirtschaftliche und nicht zuletzt persönliche Freiheiten können wieder gewährt werden. Auch die Eigenverantwortung spielt dabei eine zentrale Rolle. Die aus über 30 Verbänden und Unternehmen bestehende Organisation peilt eine erste Öffnungsphase aufgrund der stark verbesserten epidemiologischen Lage ab dem 1. März an. Dies gelte in erster vor allem für Tätigkeiten im Freien, da bei diesen das Ansteckungsrisiko vergleichsweise gering sei. 

Wunsch: Änderungen für Events und Homeoffice-Pflicht

Auch die Beschränkung auf fünf Personen für Versammlungen im öffentlichen Raum ist der Organisation ein Dorn im Auge und soll gestrichen, mindestens aber gelockert werden. Der Branchenverband Gastrosuisse hat sich derweil die Eröffnung der Restaurants unter strengen Auflagen zum Ziel gesetzt, sofern diese die Schutzkonzepte einhalten. Zusätzlich sollen Läden für den nicht alltäglichen Gebrauch wieder öffnen und die Homeoffice-Pflicht in eine Empfehlung umgewandelt werden. Aus Sicht der Wirtschaftsverbände sei es entscheidend, dabei das Contact-Tracing aufrecht zu erhalten und Tests und Impfungen zu intensivieren.

Phasenplan vorgestellt

Sobald die Risikogruppen geimpft seien, fordert die Organisation in einer zweiten Phase die Wiedereröffnung von Restaurants, Fitness- und Wellnesseinrichtungen und Kinos. Auch Versammlungen im Freien und sportliche Tätigkeiten müssen ab diesem Zeitpunkt wieder uneingeschränkt ermöglicht werden. In der dritten Phase dürfe die Regierung geimpften Menschen keinerlei Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheiten mehr auferlegen. Wenn alle Besucher immun seien und dies nachweisen können, müssten Kongresse, Messen, kulturelle und sportliche Grossveranstaltungen sowie Bars und Diskotheken wieder zugelassen werden. Die vierte und letzte Phase sieht laut Plan die Aufhebung aller verbleibenden Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie vor. Diese soll eingeläutet werden, sobald 60 bis 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung geimpft seien. Laut der Wirtschaftsverbände müssen Tests und Contact-Tracing jedoch aufrechterhalten werden, um erneute Ausbrüche der Pandemie zu verhindern. 

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Schweizer nutzen Bargeld vermehrt als Reserve

Obwohl der Trend vom Zahlen ohne Bargeld weiter anhält und immer mehr Menschen bargeld- und kontaktlos bezahlen, ist in der Schweiz derzeit mehr Bargeld im Umlauf als üblich, denn Herr und Frau Schweizer setzen wegen der Corona-Krise auf Bargeld-Reserven.

«Die Pandemie hat die Bargeldnutzung in der Schweiz verändert», wie Fritz Zurbrügg, Vize-Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB), vor ein paar Tagen mitteilte. Vor allem während der ersten Pandemiewelle im Frühjahr sei der Notenumlauf stark angestiegen. Hauptgrund sei, dass grosse Stückelungen gefragt waren, denn dies deutet auf ein erhöhtes Bedürfnis hin, Reserven in Form von Bargeld zu halten. Bargeld wird als Zahlungsmittel in der Krise dagegen immer weniger genutzt. Darauf deuten verfügbare Daten der SNB zu den Kartenzahlungen und Bargeldbezügen an Geldautomaten hin. Ob sich diese Entwicklung auch nach der Krise fortsetzen wird, kann Zurbrügg aktuell noch nicht abschätzen.

Die Schweizerische Nationalbank konnte aber auch mit sehr erfreulichen Neuigkeiten aufwarten. So wird das Schweizer Bruttoinlandprodukt (BIP) dieses Jahr um 3 Prozent schrumpfen und nicht wie noch im September prognostiziert um 5 Prozent. Zwar sei die Wirtschaft von der jetzigen, erneuten Verbreitung des Virus stark betroffen, dass BIP sei aber vor allem in der ersten Welle weniger stark eingebrochen, als die SNB erwartet hatte. Im nächsten Jahr soll es dagegen bereits wieder aufwärts gehen: Die SNB rechnet mit einer teilweisen Erholung der Wirtschaft und einer Zunahme des BIP um 2 bis 3 Prozent. Dies hänge jedoch stark davon ab, wie schnell die Ausbreitung des Virus in der Schweiz und im Ausland eingedämmt werden kann. SNB-Direktor Thomas Jordan geht davon aus, dass «die Eindämmungsmassnahmen in der Schweiz erst im Frühling deutlich gelockert werden». Bis dahin dürfte die Arbeitslosigkeit weiter ansteigen. 

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