Coronakrise Finanzsanierung Kredite

Wie hunderttausende Betriebe von den Banken in der Schweiz gerettet werden sollen

In Zeiten der Corona-Krise stützen Schweizer Banken die Firmen mit einem historischen Hilfspaket von 20 Milliarden Franken. Doch wird das überhaupt genügen?

Not macht erfinderisch und Finanznot ganz besonders. Credit Suisse-CEO Thomas Gottstein besprach vor 10 Tagen mit seinen Experten im Firmenkundengeschäft, wie jenen Unternehmen unter den 550’000 KMUs in der Schweiz zu helfen wäre, denen das Wasser bis zum Hals steht. Hintergrund: Viele Betriebe sind auf Geheiss des Bundes geschlossen. Sie haben zwar weiterhin Kosten, aber keine Einnahmen mehr. Und schon bald auch nicht mehr die nötige Liquidität, um Mitarbeiterlöhne zu zahlen. Auch die UBS, die Raiffeisen Gruppe, die Zürcher Kantonalbank und Waadtländer Kantonalbank schlossen sich ohne zu zögern dem Projekt Garantieprogramm an. Schliesslich wurde das Projekt mit Unterstützung von Herbert Scheidt, dem Präsidenten der Bankiervereinigung, Finanzchef Ueli Maurer, der grosses Interesse am Hilfsprogramm zeigte, vorgelegt. Innert Tagen wurde ein historisch einmaliges Projekt gestartet: Das Aufstellen eines Tresors, der mit 20 Milliarden Franken gefüllt ist und in zwei Kategorien aufgeteilt ist.

Kleine Unternehmen stark betroffen

Kategorie eins betrifft Kleinfirmen mit einer Handvoll Mitarbeiter. Das sind primär Betriebe aus Tourismus, Gastronomie, Paramedizin, Detailhandel, Mode, Fitness und Coiffeure. Alles Unternehmen, die schliessen mussten und denen schon bald die Liquidität fehlen wird. Ihnen soll unbürokratisch und ganz schnell über die nächsten Wochen geholfen werden. Die Sofortmassnahme sieht dabei folgendermassen aus: Die Hausbanken der betroffenen Betriebe sollen Kredite bis maximal 500’000 Franken vergeben. Diese sollten dabei aber nicht mehr als 10 Prozent des Umsatzes ausmachen. Geprüft wird von den Banken bloss, ob die Ansprüche plausibel sind. Schon heute ist absehbar, dass es via E-Mail, Telefon und Briefpost einen Massenansturm geben wird, denn es dürften zehntausende Kleinfirmen von Umsatzeinbruch, Kurzarbeit und Betriebsunterbruch betroffen sein.

Kredite auch für große Unternehmen

In der zweiten Kategorie des Rettungspakets liegen Kredite für grössere Unternehmen mit ein paar Millionen Franken Umsatz. Es soll um Kredite in Höhe von bis zu 20 Millionen Franken gehen. Dabei soll der Bund mit 85 und die Banken mit 15 Prozent haften. Der Vorteil dieses Systems: Die Banken kennen ihre Kunden, die betroffenen Unternehmen, aus langjähriger Zusammenarbeit und haben hunderte Kreditexperten. Was die Sache dabei leider nicht einfacher macht: Viele Banker arbeiten zurzeit aus dem Homeoffice.

Dieses einmalige Garantieprogramm über 20 Milliarden Franken ist vorerst für 4 Monate ausgelegt. Die grosse Frage dabei ist ob diese Summe überhaupt ausreichen wird.

Kredite für Privatpersonen

Wenn Sie als Privatperson aktuell in einer finanziellen Notlage sind, verhält sich das leider anders als bei Unternehmern. Eine spezielle Förderung für Privatpersonen konnten wir noch nicht finden. Von Banken sind hier auch nur in Ausnahmefällen faire Finanzbedingungen zu erwarten, da diese eben gerade auf Unternehmen fokussiert sind. Ersparen Sie sich das Warten und Bangen auf einen Kredit. Setzen Sie gleich auf eine nachhaltige Finanzsanierung, ohne zu lange zu warten.

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Inkasso Konsumentenschutz Kredite Schulden

Weltweite Corona-Krise: Eine Gefahr für das Finanz- und Bankensystem?

Nähern wir uns einer Finanzkrise? Die Eingriffe der Notenbanken deuten zumindest darauf hin. Welche Dominosteine müssten fallen, um Banken effektiv ins Wanken zu bringen?

Die anhaltende weltweite Ausbreitung des Corona-Virus wird nicht nur für Arbeitnehmer und Privatpersonen zum Stresstest, sondern auch für die Banken und das Finanzsystem. Dies führt ein Blick auf die extremen Kursverluste der Bankaktien vor Augen. So haben die UBS und die Credit Suisse an der Börse zuletzt immer neue Allzeittief-Kurse durchbrochen und innerhalb eines Monats über 30 Prozent verloren. Die Furcht vor einem deutlichen Rückgang des Wirtschaftswachstums wegen der Corona-Krise genügt nicht mehr als Erklärung für die Kursverluste. Das Schreckgespenst einer Finanzkriese wie 2008 klopft an und die Notenbanken tun offenbar alles, um diese Schreckensvision zu bannen. Doch wie gross ist die vom Corona-Virus ausgehende Gefahr fürs Bankensystem in der Schweiz und fürs globale Finanzsystem tatsächlich? Welche Dominosteine müssten fallen, um in eine Finanzkrise hineinzuschlittern?

Was würde beispielsweise geschehen, wenn das Corona-Virus einen massiven Preiseinbruch im Immobilienmarkt auslösen würde? Da wegen der stark gesunkenen Zinsen die Belehnungen der Eigenheime gestiegen sind, wären die Folgen massiv.

Eigenheime waren 2018 im Median nur noch mit 26 Prozent Eigenkapital finanziert. Ein Preiseinbruch in diesem Ausmass würde eine sehr grosse Anzahl von Eigenheimbesitzern zwingen, Kapital nachzuschiessen. Haben sie Mittel dazu nicht, platzen die Hypothekarkredite reihenweise, was zu einer echten Gefahr für die Stabilität der Banken werden könnte. Weiterhin müssen alle systemrelevanten Banken der Schweiz über einen «Business Continuity»-Plan verfügen. Dabei handelt es sich um einen Plan, der den Betrieb der Bank in Ausnahmesituationen sicherstellt. Doch bereits jetzt bekunden viele Schweizer Banken Mühe, Pläne, in denen die Teams im Rotationssystem arbeiten, einigermassen reibungslos umzusetzen. Wenn das grassierende Virus noch engere Kreise zieht und weitere Bank-Mitarbeitende infiziert werden, müssten Banken praktisch den Betrieb einstellen, was den Finanzplatz sehr verletzlich machen würde.

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