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Die vierte Säule wird immer wichtiger für die Altersvorsoge

Sogenannte «Zeitbanken» erlauben es, heute anderen zu helfen und Jahre später selbst Leistungen zu beziehen. Die Idee von Zeit als Zahlungsmittel gibt es in den USA seit bald 200 Jahren und auch in der Schweiz gibt es immer mehr vielversprechende Ansätze.

Die Nutzung von Stunden und Minuten als Zahlungsmittel ist in den USA bereits seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts keine Seltenheit. Der Begriff «Time Banking» existiert dabei seit über 30 Jahren. Verschiedene damit verbundene Ideen und Konzepte werden auch in der Schweiz vielerorts immer stärker angewandt, teilweise sogar in der Altersvorsorge, weshalb immer öfters von der vierten Säule die Rede ist. Jürg Weiber, Geschäftsführer der Stiftung Zeitvorsorge in St. Gallen meint dazu: «Wir bieten Menschen die Möglichkeit, älteren Menschen ihre Zeit auf sinnvolle Art und Weise zur Verfügung zu stellen.» Diese meist etwas jüngeren sogenannten Zeitvorsorger gehen für die Betagten einkaufen, begleiten sie beim Gang zum Hausarzt oder einer Behörde oder verbringen Zeit mit ihnen. Bei der Stiftung ist man dafür besorgt, älteren Menschen unter Berücksichtigung ihrer Persönlichkeit, ihren Interessen sowie der angebotenen Hilfeleistungen jemanden zu vermitteln, damit sich ein möglichst gut zueinander passendes und harmonierendes Tandem ergibt.

Einstiegsalter: 50

Um dies sicherstellen zu können, führt die Stiftung mit zukünftigen Zeitvorsorgern entsprechende Vorgespräche. Besondere Qualifikationen werden dagegen nicht vorausgesetzt. Tätigkeiten, die spezielles Know-How erfordern, beispielsweise die Krankenpflege, werden von Mitarbeitern und Helfern des Schweizerischen Roten Kreuzes, der Spitex oder der Pro Senectute übernommen. Beim Alter der Zeitvorsorger gibt es jedoch eine Einschränkung. «Damit das Tandem auch auf Augenhöhe funktionieren kann, achten wir darauf, dass die Helfer mindestens 50 Jahre alt sind. Ein Grossteil ist aber selbst schon im Pensionsalter. Man kann anderen eben nur dann Zeit zur Verfügung stellen, wenn man selbst genug davon hat», sagt Jürg Weibel. Die aufgewendete Zeit wird erfasst und kann Jahre später bei Bedarf wieder bezogen werden, wenn die Zeitvorsorger von einst nun selbst das Bedürfnis hat, dass jemand kleinere Hilfeleistungen für sie erbringt oder ihnen ein wenig Gesellschaft leistet.

Zeitgutschriften von Stadt garantiert

Ein weiterer Vorteil dieses Ansatzes: Wer Hilfeleistungen erbringt, muss nicht befürchten, dass die geleisteten Stunden irgendwann verfallen. In St. Gallen beispielsweise werden diese Zeitgutschriften nämlich von der Stadt garantiert. Diese übernimmt auch die Kosten für die Stiftung. Dazu kommen nichtfinanzielle Aspekte wie die Genugtuung und Freude, welche die zahlreichen Helfer bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten verspüren. Und nicht zuletzt die Entlastung, die eine solche Unterstützung für Angehörige bedeuten kann, da sie sonst ein Familienmitglied unter Umständen rund um die Uhr betreuen müssten. 

Das Konzept wurde laut Weibel aufgrund der Corona-Pandemie auf eine harte Probe gestellt, da nicht nur die Bezieher der Leistungen zur Risikogruppe zählen, sondern auch eine Vielzahl der Helfenden. Während sich in der zweiten Pandemie-Welle die Tandems unter Einhaltung der Schutzmassnahmen wieder vermehrt treffen können, mussten sie ihre Kontakte während der ersten Welle grösstenteils via Telefon pflegen. Obwohl die Stiftung in St. Gallen mit knapp sechs Jahren noch relativ jung ist und aktuell schwierige Zeiten durchlebt, glaubt Weibel weiterhin fest an das Konzept. So sind derzeit über 250 Zeitvorsorger für die Stiftung tätig, die bereits über 50’000 Stunden angesammelt haben. Dem gegenüber stand im letzten Jahr nur eine Person, die Leistungen aus angesparten Stunden bezogen hatte. Diese Zahlen verdeutlichen laut Weibel, dass die vierte Säule in naher Zukunft eine immer grössere Rolle spielen könnte. 

Zeit tauschen, wenn Geld knapp ist

Im Gegensatz zur St. Galler Stiftung sind die meisten Schweizer Zeitvorsorgemodelle als Vereine organisiert. «Give & Get» im Kanton Zürich hat beispielsweise als klassisches Zeittauschnetzwerk begonnen, welches innerhalb des Netzwerks Angebot und Nachfrage für verschiedene Fähigkeiten und Anforderungen zusammenbringt. Laut Präsident Stefan Staub sei das System ursprünglich so ausgelegt gewesen, dass ein Zeitkonto nur wenige Stunden im Plus oder Minus habe stehen dürfen. Mittlerweile sei es aber auch möglich, dass jemand «ein deutlich grösseres Zeitguthaben ansammelt, das es erlaubt, im Alter auf die Unterstützung anderer Mitglieder zurückzugreifen.» Auch wenn die Zeitvorsorge ein insgesamt vielversprechender Ansatz ist, gibt es aktuell noch einige Einschränkungen.

Neben dem aktuell noch relativ bescheidenen Bekanntheitsgrad sind vor allem die regionale Begrenztheit zu nennen sowie die Sorge, dass es eine sogenannte Zeitbank in 20 oder 30 Jahren vielleicht nicht mehr gibt. Denn wer Dutzende oder sogar Hunderte Stunden an Freiwilligenarbeit geleistet hat, möchte auch sicher sein, dass er diese später bei Bedarf einlösen kann. Deshalb möchten viele dieser Vereine und Stiftungen in Zukunft enger miteinander kooperieren und weiter wachsen. So könnte sich die vierte Säule nämlich zu einem wichtigen Teil der Altersvorsorge entwickeln. Das schützt vielleicht nicht vor Altersarmut, aber vor Einsamkeit und unbeantworteten Hilfeanfragen.

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Grosse Hoffnung auf Lockerungen nach zweiten Tourismusgipfel

Nach dem zweiten Tourismusgipfel am Sonntag unter Leitung von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga zeichnen sich für den 8. Juni substanzielle Lockerungen für die Tourismus-Branche ab. 

Man habe Bilanz gezogen über die Auswirkungen der ersten Lockerungsschritte, sagte Sommaruga im Anschluss an das Treffen gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Wir haben ein gemeinsames, grosses Ziel: Wir wollen, dass es schöne, gute und sichere Ferien gibt in der Schweiz in diesem Sommer.» Am Tourismusgipfel nahmen nicht nur die Bundespräsidentin, sondern auch die Bundesräte Alain Berset und Guy Parmelin sowie Mitglieder der Verwaltung mit zahlreichen Vertretern der Tourismusbranche teil. Wie der Schweizer Tourismus-Verband nach dem Treffen mitteilte, habe man der Landesregierung deutlich gemacht, dass die aktuelle Situation aus wirtschaftlicher Sicht nicht mehr lange tragbar sei. Für die Branche sei es entscheidend, dass sie den touristischen Betrieb sobald wie möglich wieder aufnehmen könne. Es habe sich gezeigt, dass die meisten Betriebe mit den Einschränkungen nicht rentabel wirtschaften könnten.

Umfrage zeigt: Mieserable Umsätze in der Gastronomie

Untermalt wurde der Antrag durch eine gleichentags von Gastrosuisse veröffentlichte Onlineumfrage bei über 3000 Gastrobetrieben. Demnach haben seit den Lockerungen drei von vier Restaurants in der Schweiz wieder geöffnet. Ihre Umsätze nach dem Lockdown sind aber miserabel und liegen durchschnittlich 60 Prozent unter den Vorjahreswerten. Zwei von fünf Betrieben wissen nicht, ob sie im Juni noch geöffnet haben können, wenn die Massnahmen am 8. Juni nicht weiter gelockert werden. Nach dem zweiten Tourismusgipfel sieht es nun tatsächlich nach weiteren Lockerungen aus. «Ab dem 8. Juni wird sehr viel stattfinden können», zeigte sich der St. Galler CVP-Nationalrat Nicolo Paganini, Präsident des Schweizer Tourismus-Verbandes, optimistisch. «Wir haben heute sehr viel Hoffnung erhalten, dass am nächsten Mittwoch im Bundesrat Entscheide fallen werden, die eine Sommersaison in der Schweiz möglich machen.» Die Verbände waren sich im Vorfeld einig, dass am 8. Juni nicht nur die Bergbahnen und Campingplätze, sondern auch die Schifffahrt definitiv wieder öffnen können müssen. Hotels, Gastrobetriebe und Jugendherbergen konnten bereits seit dem 11. Mai wieder öffnen.

Tourismus braucht Planungssicherheit

Ein erster Gipfel mit den Vertretern der Tourismusbranche hatte am 26. April stattgefunden. Dabei wurden bereits Lockerungen für den 8. Juni ins Auge gefasst. Zudem diente er dazu, der Branche eine gewisse Planungssicherheit zu geben. Der Schweizer Bevölkerung sollten Sommerferien im Inland schmackhaft gemacht werden. Der von der Corona-Krise besonders hart getroffene Tourismus-Sektor wird vom Bund mit 40 Millionen Franken unterstützt. Der Nationalrat setzte dabei die Bedingung durch, dass mit dem Geld auch nachhaltiger Tourismus gefördert werden soll. Zusätzliche Unterstützung hatte der Bundesrat für die Branche vorerst nicht vorgesehen. 


Agieren Sie schneller als die Krise

Falls Sie sich durch die aktuelle Krise in einer finanziellen Schieflage befinden, dann warten Sie nicht zu lange. Türmen Sie keine Schuldenberge auf. Sprechen Sie mit Schuldnerberatern oder machen Sie gleich den ersten Schritt zu einer Finanzsanierung vom Experten.

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