Coronakrise Konsumentenschutz Schulden

Wegen Coronavirus: Historischer Wirtschaftseinbruch in der Schweiz möglich

Seit Mitte März hat sich die Schweizer Wirtschaft wesentlich stärker verschlechtert als noch zu Beginn der Coronakrise erwartet.

Wie Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), letzte Woche bekanntgab, fiel bisher ein Viertel der gesamten Produktivität weg. In verschiedenen Branchen liege der Ausfall derweil noch deutlich höher. Beim Gastgewerbe bewegen sich die Zahlen bei über 80 Prozent und beim Detailhandel und der Transportbranche seien bisher zwischen 50 und 60 Prozent der Produktivität verloren gegangen. Die Konjunkturprognosen von März seien deshalb «bereits überholt», wie Scheidegger am Samstag vor den Bundeshausmedien sagte. Die beiden aktuellen Szenarien des Seco gehen von einer schwereren Rezession aus als bisher angenommen, bei der auch die Erholung der Wirtschaft länger auf sich warten lassen könnte. Daraus würde ein Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 7,1 oder gar 10,4 Prozent resultieren. Einen vergleichbaren Einbruch der Wirtschaft hatte es in der Schweiz zum letzten Mal im Jahr 1974 gegeben: Damals war das BIP der Schweiz im Zuge der Erdölkrise um 6,7 Prozent abgesackt.

Beim Seco-Szenario «V-Rezession», in dem von einem BIP-Rückgang mit zügiger Erholung ausgegangen wird, würde sich die Schweizer Wirtschaft nach einem Minus von rund 7 Prozent im Jahr 2021 mit einem massiven BIP-Anstieg von plus Prozent erholen können. Das Szenario «L-Rezession» deutet dagegen auf eine noch weitaus düsterere Zukunft hin, in der es nach einem massiven Einbruch nur zu einer schwachen Erholung käme: Dabei würde die Schweizer Wirtschaft 2020 in der Grössenordnung von 10 Prozent schrumpfen und 2021 nur gerade wieder 3 Prozent zulegen können. Die Seco-Ökonomen beziffern auch die ungefähre Höhe des BIP-Ausfalls durch die Coronakrise. So würde im «bestmöglichen» Basisszenario der BIP-Verlust per Ende 2021 gegenüber dem Stand von Ende 2019 etwa 30 Milliarden Franken betragen. Im Szenario «V-Rezession» steigt der BIP-Verlust auf rund 90 Milliarden Franken und eine «L-Rezession» würde einen BIP-Verlust von historischen 170 Milliarden bedeuten.

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